Mai 2007 - Weiterbildung in Druckkammer und Tauchturm

Im Mai 2007 fand unser Weiterbildung Lehrgang 1 statt, der vor allem für die "neuen Mitglieder" ein großes Thema war. Schwerpunkt für die angehenden Feuerwehrtaucher war vor allem einen Tauchgang in 50m Tiefe mit der Druckkammer im LKH Graz zu absolvieren, sowie die Weiterbildung des Apnoe Trainigs im Tauchtutm Seiersberg.

 

 

 

 

 

Teil 1 - Die Druckkammer

Mehr als 15 Einsatztaucher wurden von Dr. Heiko Renner und seinem Assistenten empfangen und von ihm durch die komplette

Schulung geführt und begleitet.

 

 

Dr. Renner ist Assistenzarzt an der HNO- und Thoraxchirurgie der Uniklinik Graz und als aktiver Feuerwehrtaucher unserer steirischen Kollegen

war er für diesen Vortrag natürlich die ideale Besetzung.

 

Bevor wir zum eigentlichen Bericht - Zur "Druckkammer Tauchfahrt" kommen, gibts noch einige grundsätzliche Information zur Druckkammer im LKH Graz:

 

Anwendungen der Druckkammer:

 

Neben der Behandlung von Tauchern (Dekompressionserkrankungen) können die Anwendungen noch folgende Heilverfahren umfassen: HBO*-Behandlungen,  Anaerobviereninfektionen (Gasbrand), Abhilfe von Durchblutungsstörungen nach plastischen Operationen, Therapie von arterieller und venöser Luftembolien, Laserbehandlungen,  Rauchgasvergiftungs-Behandlungen und noch vieles mehr.

Durch die Vielzahl an möglichen Anwendungsfällen kommt es in der Grazer Druckkammer jährlich zu rund 1800 Kompressionen.

Der Anteil der Behandlungen von verunfallten Tauchern ist mit etwa 28 Fällen pro Jahr relativ gering.

Einige von ihnen sollen nach Aussage von Dr. Renner sogar „Stammkunden“ sein, was uns mehr als nur ein Kopfschütteln entlockte.

*HBO: Hyperbare Oxygenation

Durch Überdruck, welcher auf den menschlichen Körper einwirkt, und Atmen reinen Sauerstoffs wird der menschliche Körper mit Sauerstoff überflutet. Dem Körper wird für eine begrenzte Zeit ein Vielfaches des benötigten Sauerstoffes zur Verfügung gestellt.

 

Die Druckkammer:

 

Die Hauptkammer ist als liegender Stahlbehälter von 4 m Durchmesser und 11 m Länge ausgeführt. Sie enthält einen Operationsraum von 6 m Länge und einen Behandlungsraum von 4 m Länge und bietet so Platz für einen Operationstisch plus Mannschaft in jedem Raum oder alternativ vier Intensivpflegebetten oder Sitzplätze für 15 Personen. Der Operationsraum ist für Operationen unter Normaldruckbedingungen im aktiven Krankenhausbetrieb und daher in ständiger Verwendung.

Alle Räume sind unabhängig voneinander mit Überdrucken bis zu 6 ata zu betreiben. Durchreichschleusen ermöglichen das Einbringen kleinerer Gegenstände während des Betriebes unter Druck.

 

Am Eingang der Druckkammer

 

 

Der Innenanstrich der Druckkammerräume ist aus farbpsychologischen Gründen hellgrün gewählt.

Die beiden Niederdruckkompressoren mit je 88 kW (120 PS) arbeiten mit Teflonkolbenringen,  wodurch vollkommen ölfreie Druckluft bis zu 8 ata (Atemluftqualität) erzeugt wird. Dabei erhitzen sie die Luft auf ca. 140°C. Die Abkühlung erfolgt dann in zwei Kühlstufen auf 20°C.

Die Kompressoren und alle wichtigen Aggregate sind an das Notstromsystem des Krankenhauses angeschlossen, daß bei einem Stromausfall die Druckkammer weiter den Betrieb aufrecht erhalten kann.

 

Einer der beiden 120 PS starken Motoren

 

Die Tauchfahrt:

 

Dr. Renner und ein Assistent begleiteten uns auf eine Kompression von simulierten 50m Tauchtiefe.

Die Abstiegsgeschwindigkeit betrug etwa 5m/min.

 

Der Druckausgleich muss ungleich öfter durchgeführt werden als unter Wasser, vor allem in den ersten 10m der Tauchfahrt...

 

 

 

Dabei wurden die Gesetze der Physik in einzigartiger Weise zur Schau gestellt.

 

Durch die Erwärmung der komprimierten Luft stieg die Temperatur in der Kammer binnen kurzer Zeit auf etwa 27°C . Die Luft wurde aber nicht nur wärmer sondern natürlich auch dichter, was eine einfache Handbewegung wie ein Umrühren in Gelee empfinden ließ.

Auch der Einfluss der veränderten Schallgeschwindigkeit konnte erfahren werden, da sich die Sprachakustik mit zunehmenden Druck veränderte.

 

Erwärmung sowie die Verdichtung der Luft und veränderte Schallgeschwindigkeit konnten Hautnah miterlebt werden.

 

Ziel erreicht: 50m und der Stickstoff zeigt seine Wirkung... Trotz anfänglichen Mißtrauens konnten die Feuerwehrtaucher den Titelsong zur Biene Maya RÜCKWÄRTS singen.

 

 

Nach dem Erreichen der 50m wurde der Druck wieder abgebaut und ein Notaufstieg mit 18m/min auf 30m simuliert. Dadurch kam es zu einer schlagartigen Verminderung der Temperatur und der daraus resultierenden Kondensation der Luftfeuchtigkeit, wodurch der Effekt eines einfrierenden Druckreglers in wunderbarer Weise veranschaulicht wurde.

 

Der Temperaturabfall durch die Luftentspannung und die damit verbundene kristallisierung (Eisbildung) des Wasserdampfs läßt erahnen was in der ersten Stufe eines Atemreglers passiert.

 

Ein in 10m Tiefe mit Luft gefüllter Gummihandschu demonstriert was mit unserer Lunge passiert wenn wir in 10m die Luft anhalten und auftauchen würden ... Foto zeigt den Handschuh nach einer Druckentlastung auf den letzten 10 Metern von 1 bar (10m-0m)

 

Als  Dekompressionsvorgang wurde ein 3min. Deko-Stop auf 6m und natürlich auch auf 3m durchgeführt.

 

Im Anschluß wurde von Dr. Renner ein höchst interessanter Vortrag über die Tauchmedizien und neue Errungenschaften gehalten und mit interessanten Fallbeispielen erläutert.

 

 

Medizinischer Vortrag:

 

  1. Generelles

 

  1. Druckverhältnisse

Ø      Atmosphäre

Ø      Wasser

 

  1. Erkrankungen bei der Kompressionsphase

Ø      Nasen Nebenhöhlen

Ø      Innenohr

Ø      Haut

Ø      Augen

Ø      Lunge

 

  1. Erkrankungen bei der Isopressionsphase

Ø      Inertgasnarkose (Tiefenrausch N2)

Ø      Co2 Narkose

Ø      Hyperventilation

Ø      O2 Vergiftung

Ø      O2 Mangel (Hypoxie)

 

5.  Erkrankungen in der Dekompressionsphase

Ø      AGE (Arterielle Gasembolie)

Ø      Pneumotorax

Ø      DCS ; Blasenbildungshöhepunkt

Ø      Magen – Darm Trakt, Zähne

 

  1. Psychologie

Ø      Angst- und Panikreaktion

Ø      Risikoverhalten

Ø      Tauchsucht

 

 

 

Dieser Besuch war für die Aus- und Weiterbildung der Feuerwehr-Taucher von größten Nutzen und sollte auch von jedem Freizeit- und Hobbytaucher einmal wahrgenommen werden.

 

 

 

2. Teil - Tauchturm Seiersberg

 

 

 

Der am 25.Juni 2003 eröffnete Tauchturm ist eine wunderbare Trainingsmöglichkeit, die ein gefahrloses und sicheres Ausüben des Geräte- oder Apnoetauchens ermöglicht.

Eingebaute Lichtquellen und Sichtfenster gewähren optimale Sichtbedingungen sowie eine lückenlose Überwachung der Tauchgänge.

Mit einem Durchmesser von 5m und einer Wassertiefe von 10,80m ist er Turm auch für Tauchgruppen von bis zu  acht Personen geeignet.

 

Aufgrund der Mannschaftsgröße (15 Feuerwehrtaucher) wurden zwei Gruppen gebildet zu je zwei Trainingseinheiten.

 

1. Die erste Trainingseinheit befaßste sich mit dem Schwerpunkt :

  • Flossentechnik - Vor allem Beintechnik
  • Streckentauchen - Verschiedenste Übungen über max. 40 Meter
  • Zeittauchen - Technik fürs richtige Zeittauchen, in der Gruppe, Steigereung von 1.00 min. bis auf 3 min.

Vorbereitng im Tauchturm

 

Flossentechnik & Streckentauchen

 

Zeittauchen

 

 

2. Die zweiteTrainingseinheit befaßste sich mit dem Schwerpunkt :

  • Atemtechnik - Richtiges vorbereiten auf den Tauchgang (Apnoe)
  • Druckausgleich - Verschiedene Manöver für Druckausgleich, Vorteile/Nachteile -Valsalva, Frenzel, ...
  • Gefahren beim Apnoetauchen - Lungenbarotrauma, Nasennebenhöhlen, Mittelohr, ...
  • Tieftauchen - Mit Flossen, ohne Flossen, Free Immersion (am Seil entlang)

 

Besonders interessant gestaltete sich dabei die Übung auf 11m Apnoe tief zu Tauchen ohne Verwendung der Hände oder Füße, sondern

ausschließlich unter mithilfe der eigenen Lunge (Tarierung)

Letztendlich war es für alleTeilnhemer interessant ihre eigenen Grenzen kennen zu lernen bzw. zu erweitern.

 

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11m Tieftauchen mit und ohne Flossen

 

Abtauchen entlang der Sicherungsleine

 
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