Jänner 2006 - Übung Eisrettung Bad Sauerbrunn
Am Samstag, 21.01.2006 wurde speziell für die Feuerwehrausbildung in Bad Sauerbrunn eine Übung veranstaltet mit dem Schwerpunkt: Eisrettung – Richtiges Handeln und Verhalten.
Trotz eisiger Kälte mit Temperaturen um den Gefrierpunkt und Schneefall waren nicht nur Feuerwehrleute sowie andere Einsatzkräfte Vorort, sondern auch bei den Anrainern und Laien war das Interesse groß. Gründe für eine Übung waren sicher die eisigen Temperaturen der letzten Tage und die damit verbundenen zugefrorenen Seen.
Immerhin hat das Burgenland flächenmäßig den größten Wasseranteil in Österreich! Und nicht zuletzt deshalb kam es in letzter Zeit immer wieder zu Zwischenfällen mit eingebrochenen Personen sowie (leider) verunfallten Eistauchern.

Der Inhalt setzte sich wie folgend zusammen:
- Vortrag - vom Bezirksfeuerwehrarzt Mattersburg -> Medizin – Unterkühlung
- Vortrag - vom Sachgebietsleiter Feuerwehr-Tauchdienst Burgenland -> Eisrettung und richtiges Verhalten.
- Praxis - Rettung von eingebrochenen Personen.
- Praxis - Retten von unterm Eis eingeschlossenen Eistauchern .
1.Teil – Eingebrochene Personen

Sachgebietsleiter für den FeuerwehrTauchdienst Thomas Fuchs bei der Arbeit
Nach einigen Theorie-Vorträgen zum Thema Medizin und Retten aber Richtig ging es daran
die Theorie in die Praxis umzusetzen.Ein Feuerwehrtaucher stellte sich als williges Opfer bereit, welches im Eis
eingebrochen ist. Feuerwehrleute aus der Umgebung trainierten das Retten und demonstrierten für Laien das richtige Verhalten.
- Wenn jemand einbricht nicht blind aufs Eis laufen. Die Wahrscheinlichkeit dass man selbst einbricht ist groß.
- Ausschau halten nach Passanten welche Hilfe holen können.
- Wenn man sich aufs Eis begibt, versuchen das Gewicht zu Verteilen
- Verlängerungs-Hilfsmittel mitnehmen wie z.B. einen robusten Ast od. ähnliches…
Beim Eislaufen hat es sich bewährt eine kleine Rettungsleine ca. 10m mitzunehmen. Diese lässt sich leicht Verstauen …
- Aus „sicherer Entfernung“ Versuchen das Hilfsmittel dem eingebrochenen zu Reichen und heraus zu Ziehen.
Eingebrochene Personen können sich meist nicht mehr selbst befreien. Vor allem wenn sie
keinen Boden unter den Füssen haben und das Eis immer wieder um Sie herum brechen wird,
wenn diese sich versuchen zu befreien. Aber auch das eisige Wasser und die winterliche voll
gesaugte Bekleidung lassen die Kräfte schnell schwinden. -> Deshalb ist schnelles Handeln gefragt!

Retten von einer eingebrochenen Person
2. Teil – Rettung von eingeschlossenen Eistauchern.
Beim zweiten Szenario ging man von zwei unterm Eis eingeschlossenen Eistauchern aus.
Das Durchführen dieser Übung stellt auch für die Einsatzkräfte eine größere Herausforderung dar.
Die Eisdicke betrug 20cm und die Laien auf der Eisfläche machten die Lokalisierung der Taucher für die Retter nicht einfacher.
Auch die Eistaucher hatten es mit einer Sichtweite von 20cm - 30cm unterm Eis nicht gerade einfach.

Der Rettungstaucher steht auf Abruf
Sind zwei Eistaucher unterm Eis eingeschlossen gilt es diese zuerst zu Lokalisieren wo Sie sich befinden.
Vorausgesetzt die Taucher sind richtig ausgerüstet werden Sie sich versuchen mit dem mitgenommenen Eispickel bemerkbar zu machen bzw. beginnen diese sich selbst zu Befreien. Die entstehenden Geräusche werden auf der Oberfläche wahrgenommen (Schallwellen breiten sich im Wasser bzw. im Eis schneller und weiter aus). Die Luft der Taucher versucht durch das Loch welches mittels Eispickel unterm Eis geschlagen wurde nach oben zu entweichen und läßt das Eis springen. Das gesprungene Eis wiederum ist an der Obefläche leicht zu sehen. Sind die Taucher erst lokalisiert beginnen die Rettungskräfte ein ca. 80cm großes kreisförmiges Loch zu schlagen was selbst bei einer Eisdicke von 40cm und mehr nur wenige Minuten dauert!
Das herausziehen der Taucher ist dann nur noch Formsache …

Einsatzkräfte bei der Arbeit
Sind die Taucher auf sich selbst gestellt können Sie sich mit dem Eispickel aber auch selbst befreien. Bei einer Eisdicke von 20cm benötigen einigermaßen geübte Taucher ca 15min. Sofern der nötige Luftvorat vorhanden ist ! Deshalb unbedingt die "100bar Halbzeit" einhalten!!! Österreichische Einsatzkräfte trainieren diese Art von Rettung min. einmal im Jahr und benötigen vom Klopfzeichen bis zur Rettung nur wenige Minuten. Auch bei einer Eisdicke jenseits der 30cm und mit Schneedecke!
Taucher sollten sich über folgende Regeln Gedanken machen:
- Jeder Tauchunfall beginnt an der Oberfläche!
- Kein Tauchunfall hat nur eine Ursache!
- Beim Tauchunfall ist es immer eine Verkettung von mehreren Problemen die zur Katastrophe führen. Eine „eingefrorene“ 1. Stufe ist meist nur noch das berüchtigte Tupfchen auf dem i. Meist reicht es aus wenn nur ein Problem verhindert wird und die Unfallkette wird unterbrochen.
Zusätzlich gilt fürs Eistauchen:
- Getaucht wird immer mit einer Zweiten 1. Stufe! Punkt. Ein Zweitregler auf der ersten Stufe ist zuwenig.
- Aufgrund der ungünstigen Luftentspannung ist bei einem Flaschendruck von 160bar die Vereisung der 1. Stufe sehr hoch.
- Eine Rettungsleine
- Buddyleine
- Eispickel
- Min. ein Rettungstaucher.
- Ein Leinenmann
- Ein Trupp zum Retten an der Oberfläche mit Werkzeug

Auch für die beiden Eistaucher war die Übung unterm Eis mit Sichtweiten von wenigen cm nicht gerade einfach.
Wenn man dies alles beachtet ist Eistauchen nicht ganz so gefährlich wie es vielleicht aussieht.
Alles in allem war die Übung nicht nur für Feuerwehrleute interessant sondern auch für den Laien, der sicher so manches dabei gelernt hat.

